Konzept „Fit für Selbstverteidigung“

Teilnehmer:

bis 12 Teilnehmer (etwa ab 45 Jahre)

Voraussetzungen:

kein Sportverbot durch den Arzt

mitbringen

bequeme Sportkleidung (Jogginganzug, Turnschuhe, Handtuch)

Inhalte

Aufwärmgymnastik, Übungen mit ca 70 cm Kurz-Stock (wird gestellt), Übungen mit ca. 1,20 Meter Stock (wird gestellt), Wahrnehmungsübungen, stabiles Stehen, flottes Bewegen (Bewegen in alle Richtungen, Ausweichen), Training des Bewegungssehens, Übertragung der Stockübungen auf Hand- und Armtechniken, Abwehrbewegungen, einfache Befreiungen und Griffe, einfache Tritte), Verteidigung mit Alltagsgegenständen (Übertragung der Stockbewegungen auf die Gegenstände).

Konzeptionelle Überlegungen:

Der Stock ist ein Medium, das die Bewegungen unterstützt und gleichzeitig später zur Selbstverteidigung verwendet werden kann. Alle Verteidigungs- und Angriffsbewegungen sind mit und ohne Stock prinzipiell gleich. Jede Abwehrbewegung ist dementsprechend einer Angrifssbewegung von der Struktur her gleich.

Der Stock fungiert dabei als „Gewicht“, bei dessen Führung „Fehler“ sofort spürbar werden (die Stockspitze kommt aus der Bahn). In dem Bestreben, den Stock sicher zu führen, werden die Bewegungen automatisch „korrekt“.

Das Training wird teilweise mit Musik begleitet, der Stock wird häufig „jongliert“ und dann wieder mit Schlägen und Stichen „geführt“. Das ist dann so nur möglich mit Unterstützung der Bewegungen durch den Körper (Beckendrehung, Schultereinsatz), einem sicheren und gleichzeitig felxiblen Stand. Der Stock muss bei Schlägen kontrolliert werden durch festes Zugreifen (Erhöhung der Griffkraft) oder er wird gelenkt durch kurze Impulse aus dem Körper und mit Armen und Händen beim „Laufen lassen“.

Wenn der Stock aus der Hand fällt, ist das kein Problem, sondern wird als Reaktionstraining genutzt. Man versucht dann, ihn noch in der Luft wieder zu greifen oder, wenn er vom Boden hochspringt, zu fangen. Gelingt auch dies nicht, wird der Stock mit einem kleinen „Kunststück“ hochbefördert (z.B. mit den Füßen) und aus der Luft wieder unter Kontrolle und in Bewegung gebracht. Nebenbei ist dies ein psychisch/mentaler Effekt, den Verlust des Stockes geschehen zu lassen (wenn man merkt, daß er außer Kontrolle ist) und daraus dann das Beste zu machen.

Hierbei wird das Bewegungssehen (den eigenen Stock bzw. den eines Partners beobachten und reagieren) sowie die taktile Wahrnehmung geschult (spüren, wo der Stock ist und später sogar blind führen). Beides sind elementare Fähigkeiten für eine Selbstverteidigung.

Je nach Zusammensetzung der Gruppe kann man auch Partnerübungen mit Stock machen sowie einfache Schläge und Blöcke (wenn die Teilnehmer länger im Kurs sind).

So erwerben die Teilnehmer die Voraussetzungen für Selbstverteidigung (SV). Die SV besteht dann aus Abwehren (Ausweichen, Ab- und Weiterleiten, Blockieren) gegen Stock (weil er inzwischen vertraut ist) oder sonstige gleichartige Angriffe (später gegen Tritte, Schläge) und eigenen Gegenangriffen mit Händen und Füßen. Später kommen Befreiungsbewegungen gegen Griffe hinzu (dann können auch Alltagsgegenstände genutzt werden, um Griffe zu lösen uä.).

Da dieses SV-Angebot geringere Selbstbehauptungsanteile hat, können die Teilnehmer das Angebot der Polizei Dortmund „Selbstsicherheit 50 plus“ als Ergänzung nutzen.

Parallel zur technikbetonten SV werden im Kurs rechtliche Fragen (SV Paragraph ua.) besprochen sowieTipps für den Alltag gegeben. Das Training und die erworbenen „Fähigkeiten“ werden realistisch eingeordnet, denn der Kurs kann nur auf alltägliche bzw. wahrscheinliche Situationen vorbereiten (nicht gegen extreme Gewalt oder Verbrechen).

Die verbesserte körperliche Fitness sowie das Bewußtsein, „etwas zu tun“, um die Abwehrfähigkeit zu verbessern, führen in der Regel zu mehr Selbstbewußtsein bzw. mindestens zu einer Gewissheit, was man machen könnte bei einer Bedrohung.